Die manuelle Therapie dient in der Medizin der Behandlung von Funktionsstörungen des Bewegungsapparats (Gelenke, Muskeln und Nerven). Sie ist der von Physiotherapeuten mit einer speziellen Weiterbildung durchgeführte Teil der Manuellen Medizin (aus Anlage zum Vertrag gemäß §125 SGB V über die Versorgung mit physiotherapeutischen Leistungen) und beinhaltet Untersuchung und Behandlungstechniken. In alternativmedizinischen Behandlungsformen wird darüber hinaus auch die Behandlung von vielfältigen Beschwerden anderer Körperregionen und von generalisierten Befindungsstörungen als manuelle Therapie verstanden. Von der ärztlichen Manuellen Medizin unterscheidet sie sich darin, dass sie in Deutschland keine ruckartigen Techniken, sog. Techniken mit Impuls (Manipulation) an der Wirbelsäule, anwenden darf, eine klare gesetzliche Regelung fehlt aber.

Für welche Beschwerden ist Manuelle Therapie geeignet?

Mit Manueller Therapie werden reversible Störungen des Bewegungsapparats behandelt. D.h. die Einschränkung muss beeinflussbar sein. Ist zum Beispiel die Wirbelsäule nach einer Operation versteift, so kann man diese Bewegungseinschränkung auch durch Manuelle Therapie nicht verbessern.

Bewegungseinschränkungen können an jedem Gelenk des Körpers entstehen: an den Extremitäten oder der Wirbelsäule. Sie treten insbesondere durch Bewegungsmangel, nach Ruhigstellung oder Operationen auf. Dabei verkürzen nicht nur Muskeln – die durch Behandlung mit Krankengymnastik wieder gedehnt und gekräftigt werden – sondern auch andere gelenkumgebende Strukturen, wie z.B. die Gelenkkapsel. Diese kann man oft nicht mehr in Eigenübungen ausreichend dehnen, sondern benötigt eine Mobilisationsbehandlung durch einen Manualtherapeuten.

Folgende Beschwerdebilder können dabei behandelt werden

  • Arthrose
  • Bewegungseinschränkungen / Verminderte Gelenkbeweglichkeit
    Gelenkblockierung
  • Nach Entzündungen von Gelenken
  • Nach Operationen und Ruhigstellung
  • Instabilitäten
  • Migräne / Kopfschmerz
  • Schwindel
  • Kiefergelenksprobleme

Wann bekomme ich eine Behandlung mit Manueller Therapie?

Auf einer Heilmittelverordnung für physikalische Therapie (Physiotherapie) kann der Arzt Maßnahmen wie Manuelle Therapie ebenso wie Krankengymnastik verordnen. Er entscheidet das aufgrund Ihrer Beschwerden und seiner Untersuchung Ihres Problems. Der Arzt stellt dadurch fest, ob ihr Problem durch Eigenübungen (eher Verordnung für Krankengymnastik) oder mit therapeutischer Mobilisation (eher Verordnung für Manuelle Therapie) gebessert werden kann. Manchmal wird auch erst Krankengymnastik verordnet und später aufgrund der Empfehlung Ihres Physiotherapeuten mit Manueller Therapie weiterbehandelt. Hier ist ein gutes Verhältnis von Arzt, Patient und Physiotherapeut von Vorteil.
Wie funktioniert eine Behandlung mit Manueller Therapie?

Die Behandlung beginnt mit einer ausführlichen Befunderhebung. Zunächst wird die Gelenkbeweglichkeit und Stabilität sowie die Kraft der gelenkumgebenden Muskulatur getestet. Werden Ihre bekannten Symptome dadurch entdeckt, kann in der Regel schon mit der Behandlung begonnen werden. Falls nicht, werden spezielle Provokationstests für Sehnen, Bänder, Knorpel, Menisken, Kapsel … oder neurologische Tests durchgeführt oder auch angrenzende Gelenke untersucht. Innerhalb dieser Untersuchung sollte Ihre typischen Symptome gefunden werden. Ein umfassender Befund kann durchaus einige Zeit in Anspruch nehmen, sofern das Problem „versteckt“ ist. Allerdings muss nicht der gesamte Befund auf einmal durchgeführt werden. Sobald Ihre typischen Symptome gefunden wurden, kann mit der Behandlung begonnen werden.

Anhand der Befundergebnisse erstellt Ihr Therapeut einen Behandlungsplan. Häufig müssen sowohl Gelenk als auch Weichteile (Muskulatur, Sehnen, Bänder, Bindegewebe, Faszien) behandelt werden. So kann zum Beispiel mit einer Funktionsmassage die Muskulatur vorbereitet werden um dann das Gelenk in die eingeschränkte Richtung zu mobilisieren. Bei einer Mobilisation werden Strukturen gedehnt, die aus kollagenen Fasern bestehen. Kollagen ist sehr stabil und gibt dem Gewebe Festigkeit. Man benötigt daher Kraft und Geduld um das Kollagen zu beeinflussen. Die Intensität der Behandlung richtet sich nach der im Befund festgestellten Problematik. Im Anschluss an die Mobilisation sollten Sie ein Eigenübungsprogramm mit Automobilisationen (meist nicht schmerzhafte, nicht anstrengende Bewegungen) und ggf. Stabilisationsübungen (Kraftübungen, können anstrengend sein) täglich zuhause durchführen. Dauer und Inhalte des Programms wählt Ihr Therapeut anhand des Befundes und der Behandlung.

Im Verlauf des Rezeptes kontrolliert der Therapeut Ihre Fortschritte und die auffälligen Befunde und passt seine Behandlung immer daran an. Es kann gut sein, dass irgendwann keine Manuelle Therapie mehr zur Behandlung notwendig ist, aber das erarbeitete Bewegungsausmaß noch stabilisiert werden muss. Ihr Therapeut wird dann eine Weiterführung der Therapie zum Beispiel mit Krankengymnastik oder Krankengymnastik am Gerät empfehlen.